NEXT EXHIBITION : 12.09.2019

 

This exhibition is part of the Festival Curated by _ Vienna

CURATED BY
 _ The gallery festival with international curators in Vienna

 


GIL YEFMAN
Kibbutz Buchenwald


Curated by JÜRGEN TABOR

 


Eröffnung 12.9.2019, 
18–21.00

Dauer
 13.09.—12.10.2019


Di–Sa, 12–18.00

TALK mit Hannah Miriam LESSING und Jürgen TABOR

13.9.2019, 13.00

Café Korb, Wien

 

Gil YefmanField Slave, 2018 knitted installation, wool, acrilan, hair, Jacquard fabric, florescent lamp, poster,

two-way mirror, security camera, bed, monitor, looped video Tel Aviv Museum of Art, Photo Elad Sarig, 2018

 

Gil Yefman zählt zu den wichtigsten Protagonisten der jungen Kunstszene Israels. Seine Arbeiten setzen sich mit komplexen Identitäten und normativen Auffassungen von Andersheit auseinander und untersuchen, wie persönliche und kollektive Traumata Identitäten formen. Sie umfassen eine Reihe von Medien wie Video, Fotografie, Performance und Malerei sowie insbesondere weiche Strick- und Textilskulpturen.

Yefmans erste Einzelausstellung in Österreich in der Silvia Steinek Galerie präsentiert eine Auswahl seiner Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der fortwährenden Beschäftigung der israelischen Gesellschaft mit dessen Nachleben. Seine Arbeiten widmen sich selten besprochenen, aber tiefgehenden Themen wie der Gründung des Kibbutz Buchenwald nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der institutionalisierten sexuellen Gewalt in Konzentrationslagern. Indem er diese Themen mit aktuellen Realitäten wie der Flüchtlingsbewegung verknüpft, erzeugt er ein Bewusstsein, das sowohl auf die erstarrte Historisierung des Holocaust als auch auf die Einfühlung in die Traumata der Geflüchteten zurückwirkt.

Das Video Bad Renro and Penelope at Kibbutz Buchenwald ist ein Werk aus der kontinuierlichen Zusammenarbeit Yefmans mit dem Holocaustüberlebenden Dov Or-Ner. Der Film folgt zwei Alter Egos, die die Künstler über Jahre entwickelt haben: Penelope, einer mythischen afrikanischen Frauenfigur, verkörpert von Yefman, und Bad Renro, der Persona eines unkonventionellen israelischen Künstlers, der Hitler-ähnliche Züge trägt, verkörpert von Or-Ner. In einer Art Heimsuchung durchqueren sie wie Phantome den Kibbutz Buchenwald und das Konzentrationslager Buchenwald.

Die Arbeiten Field Slave und God Full of Wombs setzen sich mit sexueller Gewalt im Nationalsozialismus auseinander und lassen dabei gegenwärtige Erfahrungen einfließen. Field Slave führt in einen intimen Raum, der jenen Zimmern nachempfunden ist, in denen weibliche politische Gefangene interniert und als Teil eines perfiden Belohnungs- und Bestrafungssystems versklavt wurden. Das Zentrum bildet eine außergewöhnliche, lebensgroße androgyne Puppe, deren weicher, von vervielfachten Organen überfließender Körper Missbrauch und Bedrohung assoziiert. Zusammen mit anderen gestrickten Objekten und Überwachungsgeräten entsteht ein aufwühlender Erinnerungsraum, der die Distanz des Dokumentarischen überbrückt. God Full of Wombs ist eine Zusammenarbeit mit dem Kuchinate Collective, afrikanischen Asylwerberinnen, die aus brutalen Folterlagern im Sinai nach Israel geflohen waren. Das in Filz gearbeitete Bild interpretiert ein Motiv der Nazi-Proganda, in der Frauen zu Gebärerinnen von Soldaten instrumentalisiert wurden. An diesen und anderen Arbeiten in der Ausstellung wird auch die therapeutische Seite der Kunst Yefmans sichtbar: sein Interesse für handwerkliche Tätigkeiten wie Stricken und Filzen, die er – oft im Kollektiv – zur Verarbeitung offener und verdrängter Verletzungen einsetzt.

 

Gil Yefman and Dov Or-NerBad Renro and Penelope at Kibbutz Buchenwald, 2018, Video, 5:18 min.

 

Gil Yefman with Kuchinate CollectiveGod Full of Wombs, 2018 Felting, 190 x 240 cm,

Tel Aviv Museum of Art, Photo Elad Sarig, 2018

 

Gil Yefman and Kuchinate Collective, Hedgerow, 2018 Knitted installation, wool, Acrilan, felt, wire, embroidery

thread, gas pipes, 250 x 750 cm Tel Aviv Museum of Art, Photo Elad Sarig, 2018